Jetzt reicht's!
offener Brief an Christian Lindner
Wie die FDP Alleinerziehende öffentlich verunglimpft
- und unsere Reaktion darauf



Ein Thema, an dem wir uns als Verein immer wieder abarbeiten, ist das völlig verzerrte Bild von Alleinerziehenden - vor allem Mütter - in der Öffentlichkeit. Viel zu oft werden hier klischeehafte Vorstellungen bedient, die sich zwischen Mitleid, verarmter Vereinsamung
und individuellem Versagen bewegen. Mit der Realität hat das wenig zu tun.
Umso schlimmer, wenn derartige Bilder auch noch von der Politik verbreitet und mit falschen Statistiken vermeintlich untermauert werden. So geschehen am 28. August 2023 bei der Bundespressekonferenz zur geplanten Kindergrundsicherung.

Der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) nutzte diese Bühne, um einmal mehr über Alleinerziehende und deren angeblich zu geringe Leistung zu klagen.



Schädliche Klischees –
immer wieder dasselbe Vorurteile





Auch wir klagten – und zwar an: Das Bild der alleinerziehenden Mutter in der sozialen Hängematte, das der Minister konstruierte, ist nicht nur toxisch und mütterfeindlich. Es ist schlichtweg inhaltlich falsch!
Wörtlich sagte der Minister: “Es ist eine beklagenswerte Tatsache, dass die Erwerbsbeteiligung von Alleinerziehenden im vergangenen Jahrzehnt trotz des Ausbaus der Kinderbetreuungsstruktur zurückgegangen ist. Also weniger Erwerbsbeteiligung bei Alleinerziehenden während des vergangenen Jahrzehnts. Da dürfen wir kein Signal setzen, dass das verfestigt.“
Leider blieb die falsche Darstellung von der damaligen Familienministerin Lisa Paus, (GRÜNE), die neben Lindner in der Pressekonferenz saß, zum großen Bedauern der Alleinerziehenden unkommentiert.


Wir sind viele. Wir sind laut.
Wir lassen uns nicht kleinreden.
2019
Lindners Aussagen zu rückläufiger Erwerbsarbeit von Alleinerziehenden werden als faktisch falsch kritisiert. Verbände wie der VAMV sprechen von bewusster gesellschaftlicher Spaltung.
TAGESSPIEGEL
SPIEGEL
Kommentar über Lindners stereotype Sicht auf Alleinerziehende und die politische Instrumentalisierung im Rahmen der Haushaltsverhandlungen.
Die Schweizer NZZ analysiert Lindners Aussagen kritisch und stellt sie in den europäischen Kontext.
NZZ
INSTAGRAM (BERICHT AUS BERLIN)
Viral gegangenes Reel mit Bürger*innenstimmen, die Lindners Aussagen zur Erwerbsarbeit empört zurückweisen.
MEDIEN ÜBER DIE KAMPAGNE
Barbara Dribbusch kritisiert Lindner für das Narrativ, Alleinerziehende lebten auf Kosten des Sozialstaats.
TAZ
ZEIT MAGAZIN
Hintergrundbericht zum Streit zwischen Christian Lindner und Lisa Paus über die Kindergrundsicherung. Lindners Aussagen zu Erwerbsarbeit Alleinerziehender werden widerlegt.
Unsere Vorständin Esther Konieczny verfasste unmittelbar nach der Pressekonferenz einen offenen Brief - dieses Bild wollte sie so auf keinen Fall stehen lassen.
Noch am selben Abend meldeten sich weitere Unterstützerinnen: Der Verein Solomütter e.V., MIA e.V. und die Stiftung Alltagsheld:innen zeichneten den Brief mit. Später kamen zahlreiche weitere Unterstützer*innen hinzu.



der offene Brief

FakteN - CHECK

Alleinerziehende

arbeiten mehr
Erwerbsquote
nimmt zu
Laut Statistischem Bundesamt arbeiten alleinerziehende Mütter
deutlich mehr als Mütter in Paarbeziehungen.
Laut Statistischem Bundesamt ist
die Erwerbsbeteiligung von Alleinerziehenden in den letzten
Jahren deutlich gestiegen – mit
einem Einbruch 2022 infolge der Pandemie und des Ukraine-Kriegs
LISTE UNTERSTÜTZER*INNEN
  • VAMV Berlin e.V.
  • Frauen in ver.di
  • Dr. Beate von Miquel, Deutscher Frauenrat
  • Lisa Ortgies, Journalistin
  • Nina Moghaddam, TV-Moderatorin und Coach
  • Delal Atmaca, DaMigra e. V.
  • Mirjam Golm, Frauen- und Gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, MdA Berlin
  • Christian Baron, Autor
  • Gökay Akbulut, MdB, Die Linke
  • Carola Großmann, Gründerinnen und Unternehmerinnen GUT+, Berlin
  • Mechthild Rawert, MdB a.D., Frauenbund 1945 e. V.
  • Heidi Reichinnek, MdB, Die Linke
  • Romy Stangl, One Billion Rising München e. V.
  • Christine Faltynek und Ulrike Hansen, AsF Hamburg
  • Jana Bertels und Susanne Fischer, AsF Berlin
  • Landesfrauenrat Hamburg
  • Birgit Uhlworm, Bundesverband SHIA e. V.
  • Wiebke Wiedeck, Initiative Zukunft Ohne Gewalt (IZOG)
  • VAMV OV München e. V.
  • Kira Wüsten, siaf e. V.
  • Almuth Schnerring und Sascha Verlan, Initiative Equal Care Day
  • Annett-Katrin Wohlgemuth und Sigrid Egner, amuvee gGm
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WAS DANACH GESCHAH...

Der offene Brief löste ein Echo in den Medien aus - verschiedene Zeitungen berichteten, Esther Konieczny, Hauptinitiatorin des Briefs wurde ins ARD-Hauptstadtstudio eingeladen, um Christian Lindner im Rahmen des Sommer-Interviews daran zu erinnern, dass Alleinerziehenden in Deutschland immer noch auf eine Entschuldigung und Richtigstellung von ihm warten.
Ohne Erfolg: Beides blieb bis heute aus.





Zwei Jahre später, bei einer Veranstaltung im Berliner Ensemble, entschuldigte sich die damals schon aus dem Amt geschiedene Ministerin Paus für ihr Schweigen bei der Pressekonferenz.